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Diamond, Gold, Green Open Access: Was ist der Unterschied?

Diamond Open Access ist für Lesende und Autorinnen und Autoren kostenlos; beim goldenen Weg ist die Zeitschrift frei lesbar, verlangt aber meist eine Publikationsgebühr (APC); beim grünen Weg stellen Sie eine Version Ihres Artikels in ein Repositorium. Hybrid und Bronze sind Zwischenformen.

Von Mohamed-Akram Lamhour · Über & Methodik · Aktualisiert: Oktober 2026

Open Access (OA) bedeutet, dass jede und jeder einen wissenschaftlichen Artikel online lesen kann, ohne zu bezahlen. Die Farben beschreiben, wie das geschieht: wer die Kosten trägt, welche Version frei wird, ab wann und unter welcher Lizenz. Wenn Sie neu in das Thema einsteigen, lesen Sie zuerst unseren umfassenden Leitfaden zu Open Access. Diese Seite vergleicht die Wege und hilft Ihnen bei der Entscheidung.

Diamond, Gold, Green, Hybrid und Bronze im Vergleich

Die Preise sind Listenpreise der Verlage, Stand Oktober 2026. Sie ändern sich jährlich, und Ihre Einrichtung übernimmt sie möglicherweise bereits über einen Verlagsvertrag.

WegWer zahltKosten für Autorinnen und AutorenZugang für LesendeÜbliche LizenzWo die freie Version liegtBeispiele
DiamondHochschulen, Fachgesellschaften, Förderer, öffentliche EinrichtungenKeineSofort, VerlagsversionCC BY oder CC BY-NCWebsite der ZeitschriftJournal of Health Monitoring (RKI), SciPost Physics, Discrete Analysis
Goldener Weg (APC)Autorinnen und Autoren, meist über Drittmittel, die Einrichtung oder einen Vertrag330–8.900 USD bei den reinen OA-Zeitschriften von Elsevier (Median 2.500 USD); PLOS ONE 2.477 USD; Nature Communications 6.150 €Sofort, VerlagsversionMeist CC BYWebsite der ZeitschriftPLOS ONE, Nature Communications
Grüner WegNiemand direkt; Repositorien werden von Einrichtungen betriebenKeineSofort oder nach Embargo (bei Springer Nature 6 oder 12 Monate)CC BY mit Rechteerhalt, sonst VerlagsbedingungenInstitutionelles oder fachliches RepositoriumRepositorium Ihrer Hochschule, arXiv, Europe PMC
HybridAutorinnen und Autoren, zusätzlich zu den Abonnements der Bibliotheken1.390–11.400 USD bei Elsevier (Median 3.590 USD); Nature 10.850 €Nur der bezahlte ArtikelCC BY oder CC BY-NC-NDWebsite der ZeitschriftDie meisten Subskriptionszeitschriften großer Verlage
BronzeDer Verlag, freiwilligKeineKostenlos lesbar, widerruflichKeineVerlagswebsiteOhne Lizenz freigeschaltete Artikel

Diamond (Platinum) Open Access: kostenlos lesen und publizieren

Der Action Plan for Diamond Open Access, 2022 veröffentlicht von Science Europe, cOAlition S, OPERAS und der französischen Forschungsagentur ANR, definiert Diamond OA als Publikationsmodell, bei dem Zeitschriften und Plattformen weder von Autorinnen und Autoren noch von Lesenden Gebühren verlangen. Diamond-Zeitschriften seien von der Wissenschaft selbst getragen, geleitet und besessen. Platinum Open Access ist eine ältere Bezeichnung für dasselbe Modell.

Redaktion und Hosting kosten trotzdem Geld, nur eben nicht die Autorinnen und Autoren. Die von cOAlition S beauftragte OA Diamond Journals Study zeigt, dass Diamond-Zeitschriften von Universitäten, Museen, Behörden und Fachgesellschaften getragen werden. Sie schätzte die Zahl weltweit auf 17.000 bis 29.000 Titel, die 8–9 % aller wissenschaftlichen Artikel veröffentlichen und 44 % der Artikel in reinen Open-Access-Zeitschriften. Die meisten sind klein: Eine typische Zeitschrift veröffentlicht rund 23 Artikel pro Jahr.

Im Directory of Open Access Journals (DOAJ) verlangen 14.571 von 23.657 Zeitschriften (62 %) weder APC noch andere Autorengebühren. Davon sind 4.279 in Scopus von SCImago gerankt, 711 davon im obersten Quartil (Q1). Kostenlos heißt also nicht zweitklassig: Das Journal of Health Monitoring des Robert Koch-Instituts, SciPost Physics und Discrete Analysis sind Diamond-Zeitschriften, die zum Zeitpunkt dieses Beitrags in unseren SCImago-Daten in Q1 stehen.

Goldener Weg: offene Zeitschriften, meist mit Publikationsgebühr

In einer Gold-Zeitschrift ist jeder Artikel ab Erscheinen auf der Website der Zeitschrift frei lesbar, meist unter einer Creative-Commons-Lizenz. Das DOAJ nimmt nur Zeitschriften auf, die vollständig offen sind, kein Embargo anwenden und alle Autorengebühren offenlegen.

Die APC (Article Processing Charge, Publikationsgebühr) ist der Betrag, den eine Zeitschrift meist nach der Annahme dafür verlangt, einen Artikel Open Access zu veröffentlichen. Bezahlt wird sie in der Regel aus Drittmitteln, einem Publikationsfonds der Einrichtung oder über einen Verlagsvertrag. Im DOAJ verlangen 9.086 Zeitschriften eine APC oder andere Gebühren. Typische Listenpreise:

Die Summen sind beträchtlich: Haustein und Kolleginnen schätzen, dass zwischen 2019 und 2023 rund 8,35 Milliarden US-Dollar an APCs an sechs große Verlage flossen; die jährlichen Ausgaben stiegen von 910 Millionen auf 2,54 Milliarden US-Dollar.

Zur Begrifflichkeit: Datenbanken wie OpenAlex nennen jede reine Open-Access-Zeitschrift „Gold“ und behandeln Diamond als die Teilmenge ohne APC. Im Alltag, und in diesem Leitfaden, meint „goldener Weg“ meist das gebührenpflichtige Modell. Viele Verlage gewähren Gebührenerlasse; das DOAJ verzeichnet, ob eine Zeitschrift eine solche Regelung hat.

Grüner Weg: Repositorien, Embargos und Rechteerhalt

Beim grünen Weg publizieren Sie in der Zeitschrift Ihrer Wahl, auch in einer Subskriptionszeitschrift, und stellen eine Version des Artikels in ein offenes Repositorium: das Ihrer Hochschule oder ein Fachrepositorium wie arXiv oder Europe PMC. Drei Versionen sind zu unterscheiden:

Embargos. Verlage verzögern die öffentliche Bereitstellung oft. Springer Nature verlangt 12 Monate für seine Springer-Subskriptions- und Hybridzeitschriften und 6 Monate für Zeitschriften von Nature Portfolio. Elsevier legt das Embargo je Zeitschrift fest und schreibt für hochgeladene Manuskripte eine CC-BY-NC-ND-Lizenz vor. Der Open Policy Finder von Jisc (früher Sherpa Romeo) zeigt die Regeln jeder Zeitschrift.

Zweitveröffentlichungsrecht. In Deutschland garantiert § 38 Abs. 4 UrhG ein unabdingbares Recht: Wer einen wissenschaftlichen Beitrag aus einer mindestens zur Hälfte öffentlich geförderten Forschungstätigkeit in einer mindestens zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift veröffentlicht, darf die akzeptierte Manuskriptversion nach zwölf Monaten öffentlich zugänglich machen, sofern dies keinem gewerblichen Zweck dient und die Erstveröffentlichung angegeben wird. Abweichende Vereinbarungen zum Nachteil der Urheberin oder des Urhebers sind unwirksam.

Rights Retention Strategy (Rechteerhalt). cOAlition S, zu der etwa der österreichische FWF und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) gehören, hat diese Strategie entwickelt, damit Sie das Recht behalten, Ihr akzeptiertes Manuskript zu teilen. Dazu fügen Sie Einreichung und Anschreiben einen Satz hinzu, etwa: „For the purpose of Open Access, the author has applied a CC BY public copyright licence to any Author Accepted Manuscript version arising from this submission.“ Das Manuskript kann dann mit Erscheinen, ohne Embargo, in ein Repositorium gestellt werden, egal in welcher Zeitschrift.

Hybrid Open Access: warum viele Förderer nicht zahlen

Eine Hybridzeitschrift ist eine Subskriptionszeitschrift, in der Autorinnen und Autoren gegen Gebühr einen einzelnen Artikel freischalten lassen können. Kritiker sprechen von „Double Dipping“: Bibliotheken zahlen das Abonnement, Autorinnen und Autoren zusätzlich APCs für Artikel in derselben Zeitschrift. Dazu kommen hohe Preise: Bei Elsevier reichen die hybriden Listenpreise von 1.390 bis 11.400 USD (Median 3.590 USD, gegenüber 2.500 USD bei den reinen OA-Titeln); Gold OA in Nature kostet 10.850 €.

Große Förderer haben sich deshalb zurückgezogen:

Ihre Einrichtung kann Hybrid-OA trotzdem über einen transformativen Vertrag („Publish and Read“) abdecken. Die DEAL-Verträge mit Wiley, Springer Nature und Elsevier etwa finanzieren Open Access in den Hybridzeitschriften dieser Verlage für Corresponding Authors teilnehmender Einrichtungen; die Einrichtung, nicht die Person, wird belastet. Das hilft Ihnen, erfüllt aber nicht zwingend die Auflagen Ihres Förderers. Das Journal Checker Tool von cOAlition S zeigt, welche Wege eine Zeitschrift unter Ihrer Förderung bietet.

Bronze Open Access: frei lesbar, aber ohne Lizenz

Den Begriff prägten Piwowar und Kolleginnen 2018 für Artikel, die auf der Verlagswebsite kostenlos lesbar sind, aber keine ausdrückliche offene Lizenz tragen. In ihrer Stichprobe war Bronze die häufigste Form von Open Access, noch vor Gold, Green und Hybrid. Ohne Lizenz haben Lesende keine Nachnutzungsrechte, und der Verlag kann den Artikel jederzeit wieder hinter die Bezahlschranke stellen. Bronze erfüllt keine Förderauflagen und ist kein Weg, den Autorinnen und Autoren selbst wählen können.

Welchen Weg sollten Sie wählen?

Gehen Sie von Ihren Rahmenbedingungen aus:

Ihre SituationEmpfohlener WegVorgehen
Kein PublikationsbudgetDiamond, ergänzt durch GreenSuchen Sie Diamond-Zeitschriften Ihres Fachs. Passt eine Subskriptionszeitschrift besser, publizieren Sie dort und stellen das akzeptierte Manuskript ins Repositorium.
Förderauflage (Plan S, z. B. FWF oder SNF; Horizon Europe)Diamond, Gold unter CC BY oder Green mit RechteerhaltZahlen Sie keine Hybridgebühren. Prüfen Sie die Zeitschrift im Journal Checker Tool und fügen Sie den Rechteerhalt-Satz schon bei der Einreichung ein.
Sie brauchen Q1 oder Scopus-IndexierungErst Diamond, dann Gold711 Diamond-Zeitschriften stehen in Q1. Filtern Sie nach Quartil, prüfen Sie die Scopus-Indexierung und zahlen Sie eine APC nur, wenn keine Diamond-Zeitschrift passt.
Sie müssen schnell publizierenJeder Weg, plus PreprintVergleichen Sie die im DOAJ angegebenen Wochen von der Einreichung bis zur Veröffentlichung und stellen Sie einen Preprint online, wenn die Zeitschrift das erlaubt.
Ihre Einrichtung hat einen Verlagsvertrag (z. B. DEAL)Gold oder Hybrid im Rahmen des VertragsFragen Sie Ihre Bibliothek, was abgedeckt ist, und prüfen Sie, ob Ihr Förderer das akzeptiert.

Diamond-Zeitschriften mit Open Access Finder finden

Open Access Finder verbindet die DOAJ-Liste mit den SCImago/Scopus-Rankings: Sie suchen nur unter gebührenfreien Zeitschriften und sehen trotzdem deren Quartil.

Finden Sie eine kostenlose Zeitschrift für Ihren Artikel

Durchsuchen Sie 14.571 Diamond-Open-Access-Zeitschriften nach Fach, Quartil, Land und Sprache. Ohne Anmeldung, nichts wird hochgeladen.

Zum Zeitschriften-Finder →
  1. Öffnen Sie den Zeitschriften-Finder; er zeigt standardmäßig Diamond-Zeitschriften. Geben Sie ein Stichwort ein oder stöbern Sie nach Fachgebiet.
  2. Grenzen Sie nach Quartil, Sprache (etwa Deutsch), Land und maximaler Zeit bis zur Veröffentlichung ein.
  3. Fügen Sie Ihr Abstract in den KI-Abstract-Abgleich ein, um Zeitschriften danach zu ordnen, wie gut ihr Themenspektrum zu Ihrem Artikel passt.
  4. Prüfen Sie einen Kandidaten im Scopus-Check und lesen Sie, was SCImago-Quartile bedeuten.

So verteilen sich die in Scopus gerankten Diamond-Zeitschriften auf die Quartile:

QuartilScopus-Zeitschriften ohne APC
Q1711Vollständige Liste →
Q21.020Vollständige Liste →
Q31.325
Q41.197

Fertige Listen finden Sie unter kostenlose Scopus-Zeitschriften und kostenlose Q1-Zeitschriften.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Diamond und Gold Open Access?

Bei beiden ist der fertige Artikel sofort frei lesbar. Bei Diamond zahlen Autorinnen und Autoren nichts, beim goldenen Weg verlangt die Zeitschrift meist eine APC. Manche Datenbanken führen Diamond als gebührenfreie Unterform von Gold.

Sind Platinum und Diamond Open Access dasselbe?

Ja. Beide Begriffe bezeichnen Zeitschriften, die weder Lesenden noch Autorinnen und Autoren etwas berechnen; in forschungspolitischen Dokumenten hat sich „Diamond“ durchgesetzt.

Was bedeutet APC und wie hoch sind die Publikationsgebühren?

APC steht für Article Processing Charge, die Publikationsgebühr mancher Open-Access-Zeitschriften. Die Listenpreise reichen von einigen hundert Euro bis über 10.000 € bei den selektivsten Titeln; der Median der reinen OA-Zeitschriften von Elsevier liegt bei 2.500 USD.

Ist der grüne Weg mit Plan S vereinbar?

Ja, wenn das akzeptierte Manuskript oder die Verlagsversion zum Erscheinungstermin ohne Embargo und unter CC BY in einem Repositorium liegt. Genau das soll die Rights Retention Strategy auch bei Subskriptionszeitschriften ermöglichen.

Sind Diamond-Zeitschriften qualitativ schlechter?

Nicht als Gruppe: Sie nutzen dasselbe Peer Review wie andere Zeitschriften, und 711 von ihnen stehen in Q1. Die Qualität schwankt von Titel zu Titel; prüfen Sie Indexierung, Herausgebergremium und Begutachtungsverfahren.

Darf ich meinen Artikel aus einer Subskriptions- oder Hybridzeitschrift teilen?

Meist ja, über den grünen Weg: Stellen Sie das akzeptierte Manuskript nach Ablauf des Verlagsembargos ins Repositorium (bei öffentlich geförderter Forschung spätestens nach den zwölf Monaten des Zweitveröffentlichungsrechts) oder sofort, wenn Sie den Rechteerhalt-Satz verwendet haben.

Quellen