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Predatory Journals und Raubverlage erkennen: Checkliste mit 12 Warnsignalen

Ein Predatory Journal kassiert Publikationsgebühren und täuscht dabei Peer Review, Herausgeber, Indexierung oder Kennzahlen nur vor. Gehen Sie die 12 Warnsignale unten durch und prüfen Sie jede Angabe an der Quelle: DOAJ, ISSN-Portal, Scopus und der Hijacked Journal Checker von Retraction Watch. Keine Liste nimmt Ihnen das ab.

Von Mohamed-Akram Lamhour · Über & Methodik · Aktualisiert: Oktober 2026

Was ist ein Predatory Journal?

2019 einigten sich 43 Teilnehmende aus 10 Ländern (Förderer, Verlage, Bibliotheken, Forschende) auf eine Konsensdefinition, veröffentlicht in Nature. Danach sind Predatory Journals und Predatory Publishers Akteure, die Eigeninteresse über die Wissenschaft stellen und sich durch falsche oder irreführende Angaben, Abweichungen von guter redaktioneller Praxis, mangelnde Transparenz und/oder aggressive, wahllose Akquise auszeichnen.

In der Praxis zahlen Sie eine Publikationsgebühr (APC), und die Zeitschrift veröffentlicht Ihren Artikel ohne echte Begutachtung, wirbt aber mit Herausgebern, Indexierungen und Kennzahlen, die es nicht gibt. Berufungskommissionen und Datenbanken ignorieren den Artikel, und zurückholen lässt er sich kaum.

Das Problem ist nicht klein. Shen und Björk schätzten, dass 2014 rund 420.000 Artikel in etwa 8.000 aktiven Raubjournalen erschienen. Die InterAcademy Partnership (IAP), das weltweite Netzwerk der Wissenschaftsakademien, schätzte 2022, dass wahrscheinlich mehr als eine Million Forschende solche Angebote schon genutzt haben, meist ohne es zu merken.

Drei Begriffe werden oft verwechselt: Ein Predatory Journal ist ein echter Titel, der täuschend betrieben wird; ein Hijacked Journal ist eine gefälschte Website, die eine seriöse Zeitschrift kopiert (siehe unten); eine Zeitschrift geringer Qualität arbeitet schwach, täuscht aber niemanden (siehe Grauzone).

Raubverlage in Deutschland: die Recherche „Fake Science“ (2018)

Im Juli 2018 veröffentlichten NDR, WDR, die Süddeutsche Zeitung und das SZ-Magazin gemeinsam mit internationalen Partnern die Recherche „Fake Science“. Ergebnis: Mehr als 5.000 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten in pseudowissenschaftlichen Zeitschriften publiziert, weltweit rund 400.000 Forschende. Bei fünf der wichtigsten Verlage hatte sich die Zahl solcher Veröffentlichungen seit 2013 weltweit verdreifacht, in Deutschland verfünffacht. Betroffen waren auch Angehörige von Hochschulen, außeruniversitären Instituten und Bundesbehörden.

Die Checkliste: 12 Warnsignale

Ein einzelnes Signal beweist nichts, drei oder vier zusammen sollten Sie stoppen. Jeder Punkt endet mit einer kostenlosen Prüfmöglichkeit.

  1. Unaufgeforderte, schmeichelnde Einladungen. Massenmails, die „Ihre herausragende Arbeit“ loben oder einen Herausgeberposten anbieten. Forschende bewarben sich im Namen einer erfundenen Wissenschaftlerin, „Anna O. Szust“ (oszust heißt auf Polnisch „Betrug“), bei 360 Zeitschriften: 48 ernannten sie zur Herausgeberin, davon 40 aus Beall's List, 8 aus dem DOAJ und keine aus den Journal Citation Reports. Prüfen: Reichen Sie nie über den Link in der Mail ein; suchen Sie die Zeitschrift selbst.

  2. Garantierte Annahme oder extrem schnelle Entscheidung. „Angenommen in 72 Stunden.“ Think. Check. Submit. wertet es als gutes Zeichen, wenn eine Zeitschrift weder Annahme noch eine sehr kurze Begutachtungszeit garantiert. Prüfen: Sehen Sie sich Eingangs- und Annahmedaten aktueller Artikel an.

  3. Eine vage Beschreibung des Peer Review. Keine Angaben zur Zahl der Gutachter oder ob sie extern sind. Bei einem Test der Zeitschrift Science 2013 nahmen 157 von 304 gebührenpflichtigen Open-Access-Zeitschriften ein absichtlich fehlerhaftes Manuskript an. Prüfen: Das Verfahren muss beschrieben sein, so verlangen es die Principles of Transparency and Best Practice (COPE, DOAJ, OASPA, WAME, 2022).

  4. Gefälschte Kennzahlen. „Impact Factors“ von Diensten wie „Global Impact Factor“ oder „Universal Impact Factor“, die ein Beitrag in Electronic Physician (2013) als Scheinmetriken beschrieb. Der echte Journal Impact Factor stammt aus den Journal Citation Reports von Clarivate, der CiteScore aus Scopus, der SJR von SCImago. Prüfen: Schlagen Sie die Zeitschrift in der Master Journal List von Clarivate, in Scopus oder bei SCImago nach, nie im Badge auf der Website.

  5. Falsche Indexierungsangaben. Logos von Scopus, Web of Science, PubMed oder DOAJ auf der Startseite. Das DOAJ warnt, dass manche Websites eine DOAJ-Listung behaupten, die es nicht gibt, und rät, immer auf doaj.org nachzusehen. Prüfen: Suchen Sie die ISSN auf doaj.org und in Scopus oder nutzen Sie unseren Scopus-Check.

  6. Versteckte oder nachgereichte Gebühren. Der Betrag erscheint erst nach der Annahme, oder es folgt eine „Rückzugsgebühr“. Prüfen: Höhe, Währung und Ermäßigungen müssen vor der Einreichung auf der Website stehen.

  7. Ein nicht überprüfbares Editorial Board. Namen ohne Affiliation oder bekannte Forschende, die nie zugestimmt haben. Prüfen: Kontrollieren Sie zwei, drei Namen auf den Seiten ihrer Hochschule oder bei ORCID; im Zweifel schreiben Sie einer Person.

  8. ISSN-Probleme. Keine ISSN oder eine ISSN, die zu einem anderen Titel oder Verlag gehört. Das ISSN International Centre betont, dass eine ISSN weder Qualität noch Gültigkeit des Inhalts garantiert. Prüfen: Im ISSN-Portal müssen Titel, Verlag und URL übereinstimmen.

  9. Ein Doppelgänger-Titel oder eine Doppelgänger-Website. Ein Name, der sich nur um einen Buchstaben von einer bekannten Zeitschrift unterscheidet, oder eine andere Adresse als im DOAJ oder in Scopus. Prüfen: Durchsuchen Sie den Hijacked Journal Checker und vergleichen Sie die Adressen.

  10. Ein grenzenloses Themenspektrum. Eine Zeitschrift für „Ingenieurwesen, Medizin und Management“. Clarivate nennt Zeitschriften, die offenbar Beiträge aus jedem Fach annehmen, als Warnsignal. Prüfen: Passen die Artikel eines aktuellen Hefts zum Titel?

  11. Unbelegte Mitgliedschaften. Das COPE-Logo eines Mitglieds trägt eine persönliche Mitgliedsnummer, und COPE führt ein Online-Mitgliederverzeichnis; OASPA veröffentlicht seine Mitgliederliste. Prüfen: Suchen Sie den Verlag auf publicationethics.org und oaspa.org.

  12. Ein undurchsichtiger Verlag und falsche Kennungen. Keine Postanschrift, eine Freemail-Adresse, keine Archivierung. Retraction Watch weist darauf hin, dass gefälschte DOIs manchmal mit 16 oder 20 beginnen, echte immer mit 10. Prüfen: Geben Sie eine DOI bei doi.org ein und kontrollieren Sie, ob sie zur selben Zeitschrift führt.

Hijacked Journals: Wenn die Website gefälscht ist

Ein Hijacked Journal übernimmt Titel, ISSN und Metadaten einer seriösen Zeitschrift, oft über deren abgelaufene Domain, und kassiert Gebühren von Autorinnen und Autoren, die glauben, beim Original einzureichen. Die Kommentierung zum DFG-Kodex beschreibt es so: „Hijacked Journals ahmen in Täuschungsabsicht den Auftritt seriöser Zeitschriften nach.“ Der Hijacked Journal Checker von Retraction Watch, aufgebaut von der Forscherin Anna Abalkina, startete im Mai 2022 mit gut 100 Einträgen und überschritt im Dezember 2025 die Marke von 400.

„In Scopus“ zu sein reicht nicht: Abalkina fand 67 Hijacked Journals, die seit 2013 in Scopus eingedrungen waren. Prüfen Sie die Zeitschrift im Checker, vergleichen Sie die Adresse mit DOAJ, Scopus und ISSN-Portal und machen Sie eine WHOIS-Abfrage: Eine im Vorjahr registrierte Domain für eine jahrzehntealte Zeitschrift ist ein Alarmsignal.

Werkzeuge zur Prüfung einer Zeitschrift

WerkzeugWas es Ihnen sagtKosten und Grenzen
Think. Check. Submit.Fragenkatalog vor der Einreichung, 2015 gestartet von COPE, DOAJ, OASPA, STM, UKSG und weiterenKostenlos, in vielen Sprachen; eine Methode, kein Urteil
DOAJOb eine Open-Access-Zeitschrift die DOAJ-Prüfung bestanden hat; das DOAJ veröffentlicht auch entfernte TitelKostenlos; nur Open Access
ISSN-PortalOb ISSN, Titel, Verlag und URL zusammenpassenBasissuche kostenlos
Mitgliederlisten von COPE und OASPAOb eine behauptete Mitgliedschaft stimmtKostenlos; Fehlen beweist nichts
Scopus-Quellenliste, unser Scopus-CheckAktuelle Erfassung oder Ausschluss (Liste monatlich aktualisiert)Kostenlos
Master Journal ListOb eine Zeitschrift in Web of Science istSuche kostenlos
Hijacked Journal CheckerBekannte Klon-WebsitesKostenlos; nur bestätigte Fälle
Cabells Predatory Reports20.274 Zeitschriften (Januar 2026), über 70 KriterienKostenpflichtiges Abonnement, teils von Hochschulbibliotheken lizenziert; Fehlen heißt nicht seriös

Beall's List und andere Listen

Jeffrey Beall, Bibliothekar an der University of Colorado Denver, begann 2008, „potenzielle, mögliche oder wahrscheinliche“ Raubverlage aufzulisten. Am 15. Januar 2017 verschwand sein gesamter Blog aus dem Netz. Die Universität sprach von einer persönlichen Entscheidung; Beall schrieb später, Druck seines Arbeitgebers habe ihn dazu gebracht, was die Universität bestritt.

Was heute als „Beall's List 2026“ kursiert, ist ein Archiv. Kopien liegen in der Wayback Machine, und die anonyme Website beallslist.net führt die Originalliste eingefroren weiter („last updated December 31, 2016“), ergänzt um Notizen und um Verlage, die nicht auf Bealls Originalliste standen. Schon zu Lebzeiten wurde die Liste wegen intransparenter Kriterien und ihrer Härte gegenüber nichtwestlichen Verlagen kritisiert.

Was HRK, Allianz und DFG empfehlen

Am 25. Juli 2018 verurteilten neun Partner der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, darunter DFG, HRK, Fraunhofer, Helmholtz und Leibniz, das Predatory Publishing als „Betrug an Wissenschaft und Gesellschaft“. Als typische Praktiken nannten sie die Nachahmung von Titeln und Layout renommierter Zeitschriften, APCs ohne nennenswertes Peer Review, gefälschte Angaben zu Editorial Boards sowie Werbung mit falschen Kennzahlen und Indexierungsangaben.

Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz betonte am 2. Oktober 2018, dass Forschende ihren Publikationsort frei wählen und dafür die Hauptverantwortung tragen. Listen seriöser oder unseriöser Zeitschriften seien hilfreich, ihre Aktualität und Vollständigkeit lasse sich aber nie garantieren; sie ersetzen die eigene Prüfung nicht. Der DFG-Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ verlangt in Leitlinie 15, das Publikationsorgan sorgfältig auszuwählen; in der Kommentierung heißt es: „Predatory Journals sind zweifelhafte Publikationsorte, die die Einhaltung wissenschaftlicher Qualitätsstandards oftmals nur vortäuschen.“

Die Grauzone: fragwürdig ist nicht gleich räuberisch

Die IAP beschreibt ein Spektrum von offenem Betrug über minderwertige und fragwürdige Praktiken bis zur guten Praxis und betont, dass auch etablierte Verlage abrutschen können. Bevor Sie ein Etikett vergeben:

Wo die Grenze klar ist: FTC gegen OMICS

Am 29. März 2019 gab ein US-Bundesgericht in Nevada der Verbraucherschutzbehörde FTC gegen OMICS Group, zwei verbundene Firmen und deren Eigentümer recht und verhängte 50.130.810 US-Dollar. Die FTC hatte kaum vorhandenes Peer Review, ohne Zustimmung genannte Herausgeber, eine von den National Institutes of Health abgelehnte, aber behauptete PubMed-Indexierung und verschwiegene Gebühren vorgeworfen. Im September 2020 bestätigte das Berufungsgericht des neunten Bezirks das Urteil und sah „reichlich Belege“ für Täuschung über Peer Review, Gebühren, Impact Factors und Editorial Boards.

Schon eingereicht oder veröffentlicht? Was tun

  1. Eingereicht, nicht angenommen: nichts zahlen, nichts unterschreiben, das Manuskript schriftlich zurückziehen.

  2. Angenommen, noch nicht online: den Verlagsvertrag ablehnen und schriftlich den Rückzug vor der Veröffentlichung verlangen.

  3. Bereits veröffentlicht: schriftlich die Rücknahme verlangen, auch ohne Antwort; nie eine „Rückzugsgebühr“ zahlen; alle Mails und Rechnungen aufbewahren.

  4. Hilfe holen bei der Bibliothek, dem Open-Access-Team oder der Ombudsperson für gute wissenschaftliche Praxis.

  5. Transparent weitermachen. Eine deutlich überarbeitete Fassung kann meist bei einer seriösen Zeitschrift eingereicht werden, wenn Sie die frühere Version offenlegen. In Bewerbungen kommt Offenheit besser an als Verschweigen.

Wie Open Access Finder hilft

Standardmäßig zeigt unsere Zeitschriftensuche nur Titel, die im DOAJ gelistet sind und von Autorinnen und Autoren nichts verlangen: 14.571 Diamond-Zeitschriften von 23.657 DOAJ-Titeln. Ohne APC fällt das Geschäftsmodell der Raubverlage weg. Stöbern Sie nach Fachgebiet oder suchen Sie kostenlose Scopus-Zeitschriften.

Finden Sie eine kostenlose Zeitschrift für Ihren Artikel

Durchsuchen Sie 14.571 Diamond-Open-Access-Zeitschriften nach Fach, Quartil, Land und Sprache. Ohne Anmeldung, nichts wird hochgeladen.

Zum Zeitschriften-Finder →

Der Scopus-Check nimmt eine ISSN oder DOI entgegen, fragt Scopus live ab und markiert Titel, die Elsevier ausgeschlossen hat; mehr dazu in Scopus-Indexierung prüfen.

Scopus-Indexierung jetzt prüfen

ISSN oder DOI eines Artikels eingeben: Der Check fragt Scopus live ab und zeigt die Zahl der indexierten Dokumente und das neueste.

Zum Scopus-Check →

Unsere Grenzen: Eine DOAJ-Listung ist ein starkes Signal, keine Garantie, und Klon-Websites erkennen wir nicht. Prüfen Sie vor jeder Zahlung, ob die Website die im DOAJ hinterlegte Adresse hat. Mehr im Open-Access-Leitfaden.

Häufige Fragen

Gibt es 2026 eine offizielle Liste von Predatory Journals?

Keine weltweite. Cabells Predatory Reports ist kostenpflichtig, Beall's List ein ungepflegtes Archiv, und einige nationale Behörden, etwa die algerische Forschungsdirektion DGRSDT, führen eigene Listen.

Wird Beall's List noch aktualisiert?

Nein. Sie wurde am 15. Januar 2017 entfernt; Kopien im Netz sind Archive mit anonymen Ergänzungen.

Ist eine Zeitschrift räuberisch, nur weil sie APCs verlangt?

Nein. Warnsignal sind versteckte Gebühren oder Gebühren für ein Peer Review, das nicht stattfindet.

Kann eine Scopus-indexierte Zeitschrift ein Raubjournal sein?

Scopus schließt Titel wegen Publikationsmängeln aus, und Betrüger klonen Scopus-Zeitschriften. Prüfen Sie, ob die Erfassung aktuell ist und die Website passt.

Wie erkenne ich ein Hijacked Journal?

Durchsuchen Sie den Hijacked Journal Checker, vergleichen Sie die Adresse mit DOAJ, Scopus und ISSN-Portal und prüfen Sie das Alter der Domain.

Sind Zeitschriften im DOAJ sicher?

Das DOAJ prüft Zeitschriften und veröffentlicht entfernte Titel, die Listung ist also ein starkes Signal. Kontrollieren Sie, ob die Zeitschrift noch gelistet ist und die URL stimmt.

Gibt es einen kostenlosen Predatory-Journal-Checker?

Kein einzelnes Werkzeug entscheidet. Kombinieren Sie Think. Check. Submit., DOAJ, ISSN-Portal, Hijacked Journal Checker und unseren Scopus-Check.

Quellen